Geschichte

Die Festung Bohus wird von der schwedischen Behörde für staatl. Immobilien, Statens Fastighetsverk, verwaltet und seit vielen Jahren ist die Gemeinde Kungälv Mieter. Gemeinsam übernehmen sie die Verantwortung für ein nordisches Kulturerbe, das über 700 Jahre alt ist und jedes Jahr fasziniert die Geschichte der Festung Bohus und die erlebnisreiche Szenerie rund 40 000 Besucher.

Ursprünglich hieß die Burg „Bagahus“, was sich im Laufe der Zeit zu „Bahus“ und später zu „Bohus“ gewandelt hat, und dieses Zentrum der Macht hat der Landschaft Bohuslän ihren Namen verliehen.

Kaum ein anderer Ort kann Anspruch auf so viel nordische Geschichte erheben wie die Festung Bohus und die Insel Fästningsholmen. Schweden, Norweger und Dänen haben Bohus seit der Gründung 1308 14 Belagerungen ausgesetzt – ein nordischer Rekord – doch die Festung ist niemals gewaltsam eingenommen worden. Der Grund dafür, weshalb Bohus uneinnehmbar blieb, ist der Legende nach, dass man einen Hund den ersten Stein für den Bau hervorziehen ließ.

Heute fällt es schwer, einen friedlicheren Platz als Bohus zu finden, doch die Erinnerung an Bombardierungen und Pulverdampf sitzt in den viele hundert Jahre alten Wänden. Wenn die Mauersteine erzählen könnten, würden sie Geschichten von Königen, Heiligen, Machtkämpfen, Verrätern und Gefangenen zuflüstern. Sowie eine Spur Romantik.

Das Land an der Mündung des Flusses Göta älv ist ein historisches nordisches Grenzland, in dem Schweden nur einen kleinen Streifen Land besaß, der im 13. Jahrhundert herausgehandelt worden war.

Im Süden lag Dänemark (Halland) und Norwegen erstreckte sich bis über die Insel Hisingen hinunter. Nur die Gemeinden Lundby und Tuve gehörten zu Schweden.

Die Stadt Göteborg gab es noch nicht, vielmehr hatte die alte Stadt Lödöse in der heutigen Gemeinde Lilla Edet die Rolle als westschwedischer Ausschiffhafen inne. Am Flussarm Nordre älv lag die uralte norwegische Stadt Kungahälla, die Norwegens Sprungbrett zum Kontinent und der südlichste Vorposten des Landes war.

Die Zentralmacht war schwach. Die Macht und Autorität des Königs standen im Verhältnis zu verwandtschaftlichen Beziehungen und Allianzen, die sich im Norden über die Landesgrenzen hinweg erstreckten.

Die nationalen Grenzen ließen sich nicht ganz einfach definieren. Im Jahr 1101 trafen sich laut den Annalen die Könige Schwedens, Dänemarks und Norwegens in Kungälv, um „Streitigkeiten zu schlichten und den Frieden zu fördern“. Dies ist eine der ersten dokumentierten Grenzziehungen in Nordeuropa.

Anfang des 14. Jahrhunderts brach ein Machtkampf zwischen Schwedens König Birger und seinen Brüdern, den Herzögen Erik und Valdemar aus, sämtlichen Söhnen von König Magnus Ladulås. Herzog Erik war mit Ingeborg, Tochter von König Håkon V. Magnusson von Norwegen, verheiratet und hatte somit starke Beziehungen zur norwegischen Königsmacht.

Durch die Hochzeit hatte Erik die Kontrolle über die Burg Ragnhildsholmen erlangt, die im 13. Jahrhundert angelegt worden war. Die Burg lag auf einer Insel, direkt gegenüber der Stadt Kungahälla, heute jedoch findet man die Ruinen der Burg am Strand von Hisingen, in der Gemeinde Göteborg. Ragnhildsholmen wurde zu einem wichtigen Stützpunkt für die Herzöge Erik und Valdemar, die rasch große Teile des heutigen Westschwedens kontrollierten.

Das Håtunaleken und Nyköpings gästabud – eine Einladung zum Fest in Nyköping, bei dem der König getäuscht und gefangen genommen wurde – sind zwei berühmte Ereignisse innerhalb dieses Machtkampfes, der den Charakter eines nordischen Bürgerkriegs hatte. Keiner der nordischen Könige hatte Interesse daran, dass die Herzöge Erik und Valdemar zu mächtig wurden, was ihr Schicksal besiegelte. Die früheren Allianzen waren stark unterminiert worden und der norwegische König Håkon V Magnusson wollte, dass sein Schwiegersohn Erik seine Lehen zurückgeben sollte. Der Herzog weigerte sich, und mit der Belagerung der Burg Ragnhildsholmen wurde begonnen.

Laut der schwedischen Erikschronik war es Graf Jacob Nielsen, der 1308 Norwegens König aufforderte, auf der hohen Klippe, wo der Göta älv sich teilt, eine Befestigung zu errichten.

Damit konnten Herzog Eriks Widersacher die Kontrolle über die Verkehrswege von und nach Ragnhildsholmen übernehmen und die überlegene strategische Lage bewirkte, dass Schloss Ragnildsholmen sehr bald seine Rolle ausgespielt hatte. Jetzt übernahm Bohus die Funktion als südlichster Vorposten Norwegens.

Bohus wurde zunächst aus Holz errichtet, wurde dann aber bald in ein Steinschloss umgewandelt, nicht zuletzt nahm man Steine von der alten Festung auf Ragnhildsholmen. Bald wurde Bohus zu einer der mächtigsten Festungen im Norden und die Entwicklung der Befestigungen erfolgte in mehreren Durchgängen. In Zusammenhang mit der Reformation im 16.

Jahrhundert wurden in Bohuslän Klostergebäude abgerissen, und die Steine wurden nach Bohus gebracht.

Der Norden ging von der Union in die Auflösung und Schweden verließ die Kalmarer Union 1523 unter Leitung von König Gustav Vasa, doch Dänemark-Norwegen sollte noch weitere hundert Jahre lang die Großmacht der Region bleiben. Es war eine konfliktreiche Zeit und während des Nordischen Siebenjährigen Krieges 1563 – 1570 wurde Bohus sechs Mal von schwedischen Streitkräften belagert, jedoch ohne Erfolg. 1566 gelangten schwedische Belagerer in die Festung hinein und hissten auf dem Roten Turm die schwedische Flagge, doch den Verteidigern gelang es, das Pulverlager anzuzünden, das explodierte. Die Schweden im Turm „wurden wie Krähen und andere Vögel in den Himmel hinauf geschickt, und keiner kam mit dem Leben davon“. Bohus musste nach den vielen Belagerungen restauriert werden und unter dem dänischen König Christian IV. (1577 – 1648) wurde Bohus in ein prachtvolles Renaissanceschloss mit infolge der Entwicklung der Artillerie verstärkten Bastionen verwandelt.

1613 wurde die Stadt Kungahälla flussaufwärts nach Fästningsholmen verlagert, weil die Schweden die Häuser in Zusammenhang mit Kriegshandlungen im Jahr zuvor abgebrannt hatten. Die Verlagerung sollte sich als unglücklich erweisen, weil die Stadt in eine exponiertere Lage geriet, als die Festung 1645 zum Gegenstand einer Belagerung wurde.

Und bald sollte die norwegisch-dänische Epoche zu Ende sein.

Beim Frieden von Roskilde 1658 wurde Bohuslän schwedisch, doch die Festung Bohus erhielt ein Dasein, das alles andere als friedlich war. Seit der Gründung 1308 hatte die Festung 14 Belagerungen durchlitten, war jedoch niemals eingenommen worden. Nachdem die Schweden Herren auf Bohus geworden waren, waren es nun stattdessen Dänen und Norweger, die die Festung belagerten, jedoch ohne Erfolg. Die schlimmste Belagerung denn je erfolgte im Sommer 1678, als 15 000 Dänen und Norweger die 800 schwedischen und finnischen Verteidiger zwei Monate lang einer massiven Bombardierung aussetzten.

In letzter Minute kam die schwedische Verstärkung an und der Feind musste aufgeben. Bohus war nun fast völlig ruiniert, und die frühere Pracht war bloß noch Erinnerung, als das einstige Renaissanceschloss unter Leitung von Erik Dahlberg als strenge Festung wieder aufgebaut wurde. Es fanden keine weiteren Belagerungen statt und im 18. Jahrhundert diente die Festung Bohus hauptsächlich als Gefängnis.

1786 zog die letzte schwedische Besatzung ab, doch zwei Jahre später wurde die Festung Bohus während des sog. „Theaterkriegs“ von einmarschierenden dänisch-norwegischen Truppen besetzt. Die Schweden kamen bei diesem Krieg mit dem bloßen Schrecken davon, erkannten aber, dass eine unbewachte Festung mehr Schaden als Nutzen bereiten konnte. 1789 wurde deshalb vorgeschlagen, dass die Festung Bohus abgerissen werden sollte, was von König Gustaf III. unterstützt wurde. Ein Zeitraum von fast fünfhundert Jahren als Verteidigungsanlage war vorbei.

Nach der Entscheidung über den Abriss erhielten die Einwohner von Kungälv das Recht, Steine von der Ruine zu holen, was dankbar angenommen wurde. Heute kann man in Hausfundamenten und Mauern entlang der Straßen Östra und Västra gatan in Kungälv Steine von der Festung Bohus sehen.

1838 verbot König Carl XIV. Johan aus kulturhistorischen Gründen den weiteren Abriss der Festung Bohus. Unter Leitung von Oberst Claes Grill wurden um die Jahrhundertwende um 1900 die Konservierungsarbeiten eingeleitet und 1925 übernahm die Behörde für staatliche Gebäude die Verantwortung für die Festung Bohus.

1934, in wirtschaftlichen Krisenzeiten, wurden die Restaurierungsarbeiten eingeleitet, die von Arbeitslosen ausgeführt wurden. Zu der Zeit wurde u.a. das Haupttor errichtet, das deshalb die Initialen von König Gustav V. trägt.